Fünf Erfahrungsberichte

„Zu alt“, um ein Auto zu mieten, Mietvertrag nur auf Vorlage der Gehaltsabrechnung, keine Tanzstunden für ein gleichgeschlechtliches Paar... Die Gründe, wegen derer Menschen sich bei uns melden, sind sehr vielfältig. Nachstehend lassen wir fünf Menschen zu Wort kommen, die bei Unia Hilfe gesucht haben. 

    Fünf Erfahrungsberichte

    Zu alt, um ein Auto zu mieten

    Ich heiße Jean-Marie, bin Großvater und 67 Jahre alt. Neulich wollte ich mit allen meinen Enkeln zusammen in einen Vergnügungspark fahren. Ich fiel fast vom Stuhl, als der Autoverleih mir mitteilte, dass ich kein Auto mieten kann, weil ich über 65 Jahre alt bin. Übrigens erfreue ich mich bester Gesundheit. Daher entschied ich mich, Unia um Hilfe zu bitten.

    Unter Verweis auf das Antidiskriminierungsgesetz wandte Unia sich an den Autoverleih. Unia erinnerte das Unternehmen daran, dass es gesetzlich nicht erlaubt ist, für die Anmietung eines Autos ein Höchstalter vorzuschreiben. Unia legte außerdem Zahlen vor, aus denen hervorging, dass Autofahrer zwischen 51 und 75 Jahren die wenigsten Unfälle verursachen.

    Weil Unia sich für mich eingesetzt hat, streicht der Autoverleih nun diese Altersgrenze. So konnte ich mit meinen Enkeln zwei Tage Urlaub machen und einen Riesenspaß haben.

    Fünf Erfahrungsberichte

    Mit dem Assistenzhund nicht ins Flugzeug

    Ich heiße Anita und habe eine Sehbehinderung. Ich reise sehr gerne, aber mit meinem Assistenzhund Lucky ist das nicht immer selbstverständlich. Zum Beispiel wollte ich vor ein paar Jahren einen Flug nach Spanien buchen. Erst im dritten Anlauf gelang es mir, einen Flug mit Assistenzhund zu reservieren. Die beiden anderen Reservierungen wurden storniert, weil angeblich schon zu viele Assistenzhunde mitfliegen würden.

    Und was geschah dann? Ein paar Stunden vor dem Abflug wurden mein Hund und ich doch noch abgelehnt: Die Fluggesellschaft teilte mir mit, dass der Hund nicht auf der Passagierliste stand. Nach ellenlangen Diskussionen gab die Fluggesellschaft zu, dass die interne Kommunikation nicht rund lief, und wir konnten doch mit nach Spanien.

    Als ich wieder nach Hause kam rief ich Unia an. Dort erfuhr ich, dass es nicht zum ersten Mal Probleme mit dieser bestimmten Fluggesellschaft gab. Unter anderem hatte sich die Fluggesellschaft geweigert, einen elektrischen Rollstuhl mitzunehmen, obwohl sich die Rollstuhlfahrerin genau an alle Anweisungen gehalten hatte.

    Die Firma reagierte erst, als Unia ein Einschreiben schickte. Dank der Vermittlung von Unia erhielt ich Schadensersatz. Außerdem beauftragte die Firma einen Sachverständigen damit, die Zugänglichkeit der Flüge zu untersuchen.

    Fünf Erfahrungsberichte

    Keine Vermietung ohne Gehaltsabrechnung

    Ich heiße Vinciane. Weil mein Mietvertrag auslief, suchte ich vor mehreren Monaten eine neue Wohnung. Als ich schließlich eine Anzeige für eine schöne Wohnung sah, schickte ich meine Daten an das Maklerbüro. Die Antwort, die ich vom Makler erhielt, lautete: keine Vermietung an Bewerber ohne Gehaltsabrechnung. Da ich zu diesem Zeitpunkt arbeitslos war, dachte ich schon, dass sei es gewesen. Bis ich mich an Unia wandte. Unia rief das Maklerbüro an, das zugab, dass man einfach die Vorgaben der Eigentümer umgesetzt hatte, ohne über die Folgen nachzudenken.

    Unia bot dem Maklerbüro eine Fortbildung über das Antidiskriminierungsgesetz an, nachdem die Makler davon in Kenntnis gesetzt worden waren, dass eine Ablehnung wegen fehlender Gehaltsabrechnung gegen das Gesetz verstößt. Ich bin mit dem Ergebnis zufrieden: Arbeitssuchende, die eine Wohnung suchen, werden so hoffentlich vor ähnlichen Enttäuschungen geschützt.

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    Schockierende Anzeige in der Lokalzeitung

    „Sie kommen... Flüchte, wer kann!“ – das lasen wir in einer Lokalzeitung, bezüglich des Empfangszentrums für Asylbewerber in unserer Gemeinde. Gemeinsam mit einigen anderen Bewohnern riefen wir schockiert bei Unia an. Dort bestätigte man uns, dass solche Anzeigen Menschen verwirren und Asylbewerber stigmatisieren. Allerdings teilte man uns mit, dass dies nicht unter die gesetzliche Strafbestimmung „Anstiftung zu Hass“ fällt.

    Nach einem Gespräch mit Unia erklärte der Herausgeber uns online, warum diese Anzeige platziert wurde. Es wurde eine neue Anzeige gedruckt, in der ein Betrag in Aussicht gestellt wurde, um den Eingang des Asylantenheims mit zu finanzieren.

    Fünf Erfahrungsberichte

    Ein Mann tanzt immer mit einer Frau

    Ich heiße Salvatore. Rik und ich sind seit fast fünf Jahren zusammen. Durch ihn habe ich unser neues Hobby entdeckt: Tanzen. Vor ein paar Jahren meldeten wir uns für einen Kurs in einer Tanzschule in unserer Nachbarschaft an. Bereits in der ersten Tanzstunde wurde uns deutlich gemacht, dass die Tanzschule Tanzen sehr ernst nimmt und dass ein Mann immer mit einer Frau tanzt. Wir waren als Paar da und fanden die Aussage sehr schockierend. Am Schalter sagte man uns übrigens, dass diese Regel sehr deutlich auf der Website erwähnt sei.

    Daraufhin gingen wir zu Unia, wo man uns sehr aufmerksam zuhörte. Die Direktorin der Tanzschule bekam kurz darauf einen Telefonanruf von Unia. Zu Beginn zeigte sie sich noch sehr ablehnend, aber nach und nach zeigte sie sich immer offener, als Unia das Antidiskriminierungsgesetz ins Spiel brachte.

    Schließlich strich die Schule die Regel aus der Satzung und ließ zu, das LGBT-Paare gemeinsam am Tanzunterricht teilnehmen konnten. Wir kehrten daraufhin zur Schule zurück. Außer ein paar seltsamen Blicken lief alles rund. Wir haben dann sogar als Paar an einem Tanzturnier für die Schule teilgenommen, welches wir obendrein gewinnen konnten! Es war das erste Mal, dass ein LGBT-Paar einen Preis für die Schule erringen konnte. Rik und ich sind uns sicher, dass manche dadurch ihre Meinung geändert haben. Heute haben wir dort viele Freunde.