Homophobie
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Homophobie kann schwere psychologische Folgen haben. Die Opfer fühlen sich ängstlich, gestresst, schämen sich und fühlen sich möglicherweise einsam. Homophobie betrifft nicht nur Einzelpersonen, sondern hat Auswirkungen auf die gesamte LGBI+ Gemeinschaft und die Gesellschaft. Daher ist es wichtig, Hass und Diskriminierung zu melden, damit sie nicht zur Normalität werden.
Was ist Homophobie?
Homophobie bezieht sich auf Vorurteile, Abneigung, Feindseligkeit oder diskriminierendes Verhalten gegenüber Menschen aufgrund ihrer (vermeintlichen) sexuellen Ausrichtung.
Sie kann subtil sein, z. B. in Form von verletzenden Kommentaren ("Schwule haben hier keinen Zutritt"), Ausgrenzung oder Mikroaggressionen ("Du siehst wirklich nicht lesbisch aus"). Manchmal tritt sie auch offen zutage, zum Beispiel in Form von verbaler oder körperlicher Gewalt, Diskriminierung in der Schule oder am Arbeitsplatz oder Hass im Internet.
Homophobie geht oft von der Vorstellung aus, dass Heterosexualität die Norm ist und dass andere Orientierungen minderwertig sind.
Gut zu wissen: Manchmal kommt es auch zu intersektioneller Diskriminierung. Zum Beispiel, wenn Homophobie auf Rassismus oder Altersdiskriminierung trifft.
Wie viele Meldungen erhält Unia über Homophobie?
Wir wissen, dass die Meldungen, die wir über Homophobie erhalten, nur die Spitze des Eisbergs sind: 312 in 2024. Jeder Meldung wird nachgegangen. Wenn wir zuständig sind und das Opfer um Hilfe gebeten hat, legen wir eine Akte an. Im Jahr 2024 waren es 136 Fälle:
- Bei 72 % dieser Fälle handelte es sich um Hassverbrechen (hauptsächlich Schläge und Verletzungen) oder Hassreden (Aufstachelung zum Hass und Beleidigungen).
- In 28 % dieser Fälle ging es um Diskriminierung. Zum Beispiel, wenn Ihr Chef Sie feuert oder ein Hausbesitzer Ihre Bewerbung ablehnt, nur weil Sie lesbisch sind.
Sie merken: Bei Homophobie geht es meist um Hass. Bei anderen geschützten Merkmalen wie Rassismus, Behindertendiskriminierung oder Altersdiskriminierung sehen wir meistens Meldungen über Diskriminierung.
Homophobie kommt überall vor: im öffentlichen Raum, in der Schule, am Arbeitsplatz, im Internet usw. Im öffentlichen Raum sind es oft Männer, die Opfer extremer körperlicher Gewalt werden. Unsere Akten zeigen, dass diese Gewalt in den letzten Jahren stark zugenommen hat.
Wie schützt das belgische Recht vor Homophobie?
Belgien hat eine der stärksten gesetzlichen Schutzmaßnahmen gegen Homophobie in Europa. Laut der ILGA-Europe's Rainbow Europe Map 2025 steht Belgien an zweiter Stelle, gleich hinter Malta. Dies zeigt, dass unser Land in Bezug auf LGBTI+-Rechte und -Politik sehr fortschrittlich ist.
Belgische Antidiskriminierungsgesetze
- Das belgische Antidiskriminierungsgesetz von 2007 und die Dekrete und Verordnungen der verschiedenen Landesteile verbieten Diskriminierung aufgrund der sexuellen Ausrichtung. Das Antidiskriminierungsgesetz ist zivilrechtlich ausgerichtet. Das Opfer kann die Beendigung der Diskriminierung verlangen und im Rahmen eines Verfahrens, z. B. eines Schnellverfahrens, eine Entschädigung erhalten.
Das Strafgesetzbuch sieht zusätzlich Strafen vor für:
- Aufstachelung zu Diskriminierung, Hass oder Gewalt aufgrund der sexuellen Ausrichtung
- Diskriminierung beim Zugang zu Gütern und Dienstleistungen und in Arbeitsverhältnissen aufgrund der sexuellen Ausrichtung
- Diskriminierung durch Amtsträger aufgrund der sexuellen Ausrichtung
- Beteiligung an einer Gruppe, die eine Diskriminierung aufgrund der sexuellen Ausrichtung verkündet
- Bekehrungspraktiken (d.h. Versuche, die sexuelle Ausrichtung einer Person zu ändern oder zu unterdrücken)
Das Strafgesetzbuch sieht außerdem vor, dass Straftaten, die aus Hass, Verachtung oder Feindseligkeit aufgrund der (angeblichen) sexuellen Ausrichtung des Opfers begangen werden, härter bestraft werden.
- Das Gleichstellungsgesetz verbietet Diskriminierung unter anderem aufgrund der Geschlechtsidentität und des Geschlechtsausdrucks. Für Diskriminierungen aufgrund dieser Kriterien ist das Institut für die Gleichstellung von Frauern und Männern zuständig.
Gut zu wissen:
- Gewöhnliche verbale Beleidigungen sind im Prinzip nicht strafbar (außer gegenüber Polizeibeamten oder Richtern beispielsweise).
- Online-Nachrichten sind manchmal strafbar, werden aber in der Praxis nie verfolgt, da nicht-rassistische Pressedelikte vor einem Assisengericht verhandelt werden müssen.
- Das Gesetz schützt Sie auch, wenn der Täter glaubt, dass Sie schwul sind, ohne, dass Sie es tatsächlich sind (z. B. weil Sie sich in einer Schwulenorganisation engagieren) oder wenn Sie eine enge Beziehung zu einer schwulen Person haben (z. B. weil Sie ein schwules Kind haben).
Starker rechtlicher Schutz in Belgien
- 2003: Die gleichgeschlechtliche Ehe wird in Belgien legalisiert. Damit sind wir das zweite Land in der Welt.
- 2006: Homosexuelle Paare erhalten die gleichen Adoptions- und Elternrechte wie heterosexuelle Paare.
- 2015: Gemeinsame Mütter können automatisch (wenn sie verheiratet sind) oder durch Anerkennung (wenn sie nicht verheiratet sind) zum zweiten rechtlichen Elternteil eines Kindes werden.
- 2023: Die Konversionstherapie wird in Belgien verboten. Mit einer solchen Therapie wird versucht, die sexuelle Orientierung einer Person zu ändern, zum Beispiel von schwul zu heterosexuell. Das Verbot dient dem Schutz von LGBTI+ Personen.
- 2024: Das Rundschreiben COL13 wird geändert, damit Beschwerden über Homophobie besser registriert werden können.
Verbesserungswürdige Punkte
Öffentliche strafbare Äußerungen im Internet (auch in einer geschlossenen Gruppe) gelten in Belgien immer noch als Pressedelikte. Sie müssen vor einem Assisengericht verhandelt werden (eine Ausnahme sind rassistische Pressedelikte, die von einem Strafgericht beurteilt werden). Ein solches Verfahren ist teuer und umständlich. In der Praxis führt dies dazu, dass die Täter von homophoben Äußerungen im Internet wenig zu befürchten haben und in der Praxis nie verurteilt werden. Ein Verfahren vor einem Strafgericht (wie bei rassistischen Pressedelikten) würde dieses Problem lösen.
Was ist, wenn Sie ein Opfer von Homophobie sind?
- Sorgen Sie für Ihre Sicherheit und rufen Sie in Notfällen 101 an.
- Sammeln Sie Beweise: Screenshots, Nachrichten, Datum/Uhrzeit/Ort, ärztliche Atteste, Fotos von Verletzungen, Zeugenaussagen.
- Erstatten Sie Anzeige bei der Polizei, wenn Sie Gewalt erfahren haben.
- Machen Sie eine Meldung bei Unia. Wir können dann Ihren Fall weiterverfolgen und dafür sorgen, dass Ihr Dossier die richtige rechtliche Qualifikation erhält. Wenn Hass, Verachtung oder Feindseligkeit aufgrund Ihrer (vermeintlichen) sexuellen Ausrichtung vorliegt, ist es wichtig, dass dieses Motiv anerkannt wird, da für diese Art von Straftat eine Strafverschärfung gilt.
- Melden Sie Hassreden im Internet.
- Suchen Sie Unterstützung: bei Freunden, in der Familie oder bei spezialisierter juristischer oder psychosozialer Hilfe.
Was ist, wenn Sie Zeuge homophober Gewalt werden?
Unserer Erfahrung nach sind Zeugen von entscheidender Bedeutung, um sicherzustellen, dass Straftäter eine härtere Strafe erhalten. Sie sorgen dafür, dass das Gericht das homophobe Motiv erkennt und eine Strafverschärfung verhängt werden kann. Gehen Sie zur Polizei und machen Sie eine Meldung bei Unia, wenn Sie Zeuge homophober Gewalt werden.
Was macht Unia mit Ihrer Meldung?
Unia untersucht Ihre Meldung über Diskriminierung, Hassrede oder ein Hassverbrechen und kann in schwerwiegenden Fällen zivilrechtliche Schritte in Strafverfahren einleiten. In den letzten Monaten gab es mehrere Urteile in Fällen, in denen die Unia eine Zivilpartei war:
- 15. September 2025: Das Gericht verurteilt den Täter einer homophoben Aggression in einem Nachtladen (nür NL/FR) in Abwesenheit zu einer Freiheitsstrafe von zwei Jahren.
- 25. Juni 2025: Das Gericht verhängt harte Strafen gegen Täter, die Schwule über die Dating-Website Grindr angelockt haben (nür NL/FR).
- 20. Juni 2025: Ein Junge, der auf einer Queer-Party in Drag gekleidet war (nür NL/FR), wird schwer verprügelt. Der Täter wird verurteilt und das Opfer erhält eine hohe Entschädigung.
- 19. Februar 2025: Das Gericht entscheidet, dass homophobe Bemerkungen eines Kollegen (nür NL/FR) als Gewalt, Belästigung und unerwünschtes sexuelles Verhalten am Arbeitsplatz gelten.
- 2. Dezember 2024: Das Gericht verurteilt den sinnlosen Angriff auf eine Frau und ihre schwulen Freunde in Brüssel (nür NL/FR). Der Täter wird zu einer Freiheitsstrafe von 3 Jahren mit Bewährung verurteilt.
Was sind die Empfehlungen von Unia gegen Homophobie?
- Einen neuen interföderalen Aktionsplan zur Bekämpfung von Diskriminierung und Gewalt gegen LGBTI+ Personen aufstellen. Der letzte stammt aus den Jahren 2018-2019.
- Auf den starken Anstieg der homophoben Gewalt achten. Die Opfer werden inzwischen auch über Dating-Apps wie Grindr angesprochen.
- Die Stereotypen, die homophoben Handlungen zugrunde liegen, bekämpfen.
- Dafür sorgen, dass die Opfer sich trauen, Anzeige zu erstatten. Heute tun dies nur 14 %.
- Die Straflosigkeit beenden, indem Bewährungsmaßnahmen mit Bewährungsstrafen verknüpft werden. Dies kann eine Verhaltensänderung bewirken.
- Schutz von LGBTI+-Flüchtlingen, indem das Personal von Aufnahmezentren besser mit sexueller Orientierung und Geschlechtsidentität vertraut gemacht wird.
- Änderung von Artikel 150 der Verfassung, damit alle Pressedelikte vor einem Strafgericht verhandelt werden und nicht nur Rassismus oder Fremdenfeindlichkeit.
Welche Organisationen haben ein offenes Ohr für Sie?
- Prisme: Unterstützung und Beratung für LGBTQIA+-Personen in der Wallonie.
- Genres Pluriels - Personnes trans*, aux genres fluides et intersexes en Belgique: Hilfe für trans, nicht-binäre und intergeschlechtliche Identitäten in Belgien.*
- Prisma Zentrum: Unterstützung und Beratung für für LGBTQIA+-Personen in der Deutschsprachigen Gemeinschaft.
Romains Zeugenaussage zu homophober Gewalt (nur auf NL/FR)
Zeugenaussage von Philipe und Juliet zu homophober Gewalt (nür NL/FR)
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