Unia fördert das Miteinander, auch in Corona-Zeiten

12 November 2020
Diskriminierungsgrund: Aller Diskriminierungsgründe

Die Corona-Krise, die unser Land derzeit plagt, hat unter den Bürgerinnen und Bürgern gegenseitiges Misstrauen geschürt. „Wir beobachten eine starke Neigung, Schuldige oder einen Sündenbock zu finden“, erklärt die Unia-Direktion. „Eine Entwicklung, gegen die wir etwas unternehmen müssen. Denn so geht es niemandem besser. Statt dessen sollten wir die vielen Formen von Solidarität unterstützen, die durch die Pandemie entstanden sind. Die Corona-Krise wird wahrscheinlich noch eine Weile dauern. Also müssen wir lernen, mit dem Virus zu leben, ohne den Zusammenhalt in unserer Gesellschaft zu zerstören.“  

Unia hat einen Bericht über die Auswirkungen dieser Gesundheitskrise auf die Menschenrechte veröffentlicht. Der Bericht beruht unter anderem auf den vielen Meldungen, die in den letzten Monaten bei Unia eingegangen sind. Er ist auf Französisch oder Niederländisch verfügbar 

Ein Klima der Angst  

„Es geht um eine noch nie da gewesene Krise. Das hat so manchen von uns dazu gebracht, über sich hinauszuwachsen. Einige hingegen hat die Angst dazu getrieben, mit dem Finger auf andere zu zeigen und ohne wirklichen Grund oder haltbaren Beweis Misstrauen gegen bestimmte Personen zu hegen, wie etwa Mitbürger asiatischer Herkunft, Jugendliche, Ältere, Menschen mit ausländischem Hintergrund allgemein oder Bewohner von Zentren für Asylbewerber wie in Koksijde, um nur einige zu nennen. Das Verlangen nach Sicherheit in der Bevölkerung ist groß, und leider untergräbt es teilweise die Solidarität unter den Menschen.“ 

Meldungen unter der Lupe  

Insgesamt hat Unia fast 1.850 Meldungen geprüft, die in den ersten Monaten der Corona-Krise eingegangen sind. „Durch die Corona-Krise verzeichnete Unia 30 % mehr Meldungen in dem Zeitraum vom 1. Februar 2020 bis zum 19. August 2020, was darauf hindeutet, dass der Druck der Corona-Maßnahmen in der Bevölkerung Unfrieden stiftet. Viele Menschen wissen nun, dass Unia ihnen dabei helfen kann, ihre Rechte zu verteidigen oder ihre Sorgen und Bedenken zum Ausdruck zu bringen.“ 

Bei Ausbruch der Corona-Pandemie hat man im Eilverfahren Maßnahmen getroffen. Die Meldungen bei Unia zeigen, dass man benachteiligte Gruppen hierbei oft übersehen hat. „Über die dramatischen Auswirkungen auf Personen mit Behinderung hatten wir bereits im Juni ausführlich berichtet. Doch auch andere Menschen hat es schwer getroffen. So besaß nicht jede Familie Computer und Internet für den Fernunterricht der Kinder. Oder auch Personen über 65, die ihre Enkelkinder nicht mehr sehen sollten. Oder Paare, bei denen der eine Partner vorübergehend in einem anderen Land war und die lange voneinander getrennt blieben.“ In den Meldungen beschwerte man sich auch mehrfach darüber, dass die Maßnahmen zu oft von heteronormativen Familienverhältnissen ausgehen und keine Rücksicht auf andere Konstellationen nehmen. So bekam ein homosexuelles Paar von der Polizei zu hören, dass sie sich beim Spazieren sozial zu distanzieren haben, oder alleinstehende Eltern durften nicht mit ihrem Kind ins Geschäft.  

Unia empfiehlt den Behörden deshalb, darüber zu wachen, dass die Corona-Maßnahmen wirklich notwendig und angemessen sind und dass sie benachteiligte Personengruppen nicht noch stärker in Bedrängnis bringen. „Der Staat tendiert immer stärker dazu, allgemeine drastische Maßnahmen zu ergreifen, die manche Menschen stärker belasten als andere. Das geht auch anders.“   

Unia appelliert hier eindringlich an alle Personen und Instanzen, dass sie verantwortungsbewusst jede Form von Stigmatisierung oder Diskriminierung bekämpfen. „Außerdem ersuchen wir die Polizeistellen und privaten Wachdienste, bei Kontrollen auf das richtige Augenmaß zu achten und dafür zu sorgen, dass man gleiches Recht walten lässt und niemanden diskriminiert. Es ist nicht nötig, in einer Gesellschaft, die es so schon schwer genug hat, jetzt noch stärker zu polarisieren.

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